Wo hatten Sie das letzte Mal einen guten Einfall? Unter der Dusche? Beim Spaziergang? Vermutlich jedenfalls nicht am Schreibtisch im Büro. Es ist verflixt, aber irgendwie wollen sich Ideen einfach nicht an Kernarbeitszeiten oder Outlook-Reminder halten.

Obwohl diese Erkenntnis nicht neu ist - so richtig angekommen ist sie in einigen Unternehmen immer noch nicht. Wir sollen zwar alle innovativ sein und ständig neue, disruptive Ideen haben. Doch unser Arbeitsumfeld ist gar nicht darauf ausgerichtet. Die meisten von uns arbeiten immer noch in einer Bürowelt, die für eine Welt geschaffen wurde, in der man eher verwaltet als neu denkt.

Einige Firmen nehmen sich es durchaus vor, das zu ändern. Doch oft bleibt es bei Lippenbekenntnissen. Bei gut gemeinten Freiräumen, die in der Praxis dann aber nicht in Anspruch genommen werden. Selbst wenn wir theoretisch auch mal Home Office machen dürfen, dann trauen wir es uns oft genug nicht. Und selbst Kollegen, die das freiere Arbeiten konsequent nutzen, haben das Gefühl, sie müssten sich ständig rechtfertigen – auch wenn sie sichtbar enormen Output liefern.

 

Arbeit am Output messen

In vielen Köpfen steckt das Vorurteil: Wer nicht im Büro am Schreibtisch sitzt, der arbeitet nicht. Das ist nicht nur falsch, sondern geradezu kontraproduktiv für die Anforderungen der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts. Für die Wissens- und Kreativarbeiter von heute.

Keine Frage: In Städten wie Berlin, die bevölkert sind von Menschen mit Laptop in Cafés, die an „Projekten arbeiten“, ist eine gewisse Skepsis ja durchaus nachvollziehbar. Aber es lässt sich doch relativ leicht messen, wer nur rumhängt und wer etwas schafft.

Am Ende gilt die banale Erkenntnis: Wir sollten unsere Arbeit an der Qualität des Outputs, nicht an der Büropräsenz messen.

 

Keine reine Home-Office-Welt

Dabei gilt auch zu bedenken: Natürlich sollte nicht jede Branche das klassische Büroleben für beendet erklären. Wer Maschinen oder Schrauben herstellt, braucht keinen fancy Coworking-Space als Firmenzentrale. Und überhaupt ist ein kompletter Abschied vom Büro wenig empfehlenswert. Meetings, Austausch, Abstimmung und Abläufe – all das wird stets unersetzlich bleiben. Wir werden so schnell keine reine Home-Office-Welt bekommen.

Aber es gilt eine gute Mischung, eine gesunde Balance zu finden. Und für die Kreativität, zum Querdenken, um auf neue Gedanken kommen, sollte man halt raus aus dem Büro. Das ist kein Generation-Milchschaum-Quatsch - sondern ein harter Fakt, wie unzählige Studien beweisen.

Wer also als Unternehmen auf Innovationen und gute Ideen angewiesen ist, sollte das verdammt ernst nehmen. Und nicht nur grundsätzlich anbieten, weil man das jetzt so macht. Sondern auch ein Klima schaffen, in dem sich die Leute den produktiven Tapetenwechsel dann auch wirklich trauen.*

 

* Diese Kolumne entstand als Idee beim Joggen, wurde im Rohentwurf skizziert am Frühstückstisch und erst ganz am Ende am Schreibtisch im Büro aufgeschrieben.

 

 

 

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20.03.2017 | 2653 Profilbesucher